Sind wirklich schon fünf Wochen und knapp 700 Kilometer vergangen, seit ich früh morgens ein bisschen sehr verloren von Land’s End losgestiefelt bin? Irgendwie kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. Irgendwie aber auch, als wäre es schon Monate her. Es ist ja so viel passiert seit dem!

Wenn ich zurückblicke auf die letzten Wochen, dann verspüre ich vor allem Glück und Dankbarkeit. Auch wenn es nicht immer einfach war!

Ich bin schon so weit gekommen, hatte unverschämtes Glück mit dem Wetter, keine Blasen, kaum Schmerzen (nicht zuletzt wohl dank dem Super-Training von Frau Guad Vibes!!) oder sonstige gesundheitliche Probleme, alle Leute waren immer nett zu mir (abgesehen von dem einen Arsch in der Post), meine Ausrüstung ist ziemlich perfekt… ja, es läuft eigentlich alles ziemlich rund hier bei mir auf der Insel!

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Zeit für eine kleine Zusammenfassung der letzten Wochen – und für einen kleinen Ausblick darauf, wie es jetzt weitergeht!

(Ehrlich gesagt sollte die ja eigentlich etwas größer als „klein“ ausfallen, aber ich sags Dir, so ein Pausentag ist ganz schön anstrengend: Wäsche waschen, Vorräte auffüllen, Wasserfilter und Flaschen desinfizieren, Infos zu den weiteren Etappen recherchieren,alle Akkus aufladen, Bloggedöns machen, die ein oder andere Unterkunft vorbuchen, essen, schlafen, essen, schlafen, essen… puuuuuh!)

Friede, Freude, Eierkuchen auf dem South West Coast Path

Ich kann es nicht oft genug sagen: Der South West Coast Path in Cornwall und Devon war einfach nur grandios. Er bescherte mir den perfekten Start in dieses Abenteuer und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese ersten zwei Wochen zurückdenke.

Einen Bericht zum South West Coast Path kannst Du übrigens hier bei Visit Britain lesen!

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Zwischendrin ist alles doof

So schön das Exmoor und die Quantock Hills auch waren – so wirklich jubeln konnte ich während dieser Zeit nicht. Wieso das so war, habe ich hier in diesem Artikel schon ausführlicher bemeckert. Und deswegen sage ich jetzt auch gar nicht mehr viel dazu, ha!

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Liebe mit Startproblemen auf dem Offa’s Dyke Path

Die ersten Tage auf dem Offa’s Dyke Path waren wahrlich nicht einfach. Meine Stimmung war am Tiefpunkt angelangt, ich spürte keinerlei Begeisterung für irgendwas, konnte mich morgens nur schwer aufraffen, weiterzugehen. Vielleicht war es das oft doch eher eintönige Farmland, durch das die Route in den ersten Tagen mit einer Ausnahme meist führte. Viel eher aber waren es wohl die letzten Etappen inklusive all ihrer Schwierigkeiten (nachzulesen hier), die mir und meinem geistigen Wohlbefinden irgendwie doch ganz schön zugesetzt hatten. (Am allerwahrscheinlichsten wohl eine Kombination aus beidem…)

Am Morgen des vierten Tages war ich mir sicher, dass ich nach dem Offa’s Dyke Path meine Wanderung abbrechen würde. Direkt nach Hause fahren wollte ich zwar nicht, aber die Insel irgendwie auf andere Weise weiter erkunden. Zum Beispiel auf die Shetlandinseln flüchten, um Ponys zu streicheln. Oder einfach mit dem Mietwagen kreuz und quer über die Inseln fahren. Oder Inselhopping im Westen Schottlands machen. Oder (…). Und ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht mal besonders schlecht dabei gefühlt. Mir war einfach nur klar, dass ich hierhergekommen war, um eine gute Zeit zu haben. Und das es jetzt an mir lag, einen Weg zu finden, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

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Den ganzen Tag lief ich mit schwarzen Gedanken im Kopf durch die Gegend, aber noch am selben Abend sollte sich alles ändern: Ich weiß gar nicht genau, wie das passiert ist. Es war einfach plötzlich alles anders. Ich lief über einen schönen Hügel, das von den Schafen angenehm kurz geknabberte Gras federte unter meinen Füßen, die warme Nachmittagssonne schien mir auf den Rücken, ich lauschte den lieblichen Stimmen von „First Aid Kit“ in meinem Ohr – und plötzlich ging in mir wieder die Sonne auf. Ich spürte Begeisterung, ich spürte Zuversicht, ich spürte eine tiefe Zuneigung zu mir selbst, meiner Reise und allem, was mich umgab. Und in dem Moment wusste ich, dass diese Reise noch nicht am nördlichen Ende des Offa’s Dyke Path enden würde, oh nein. Dort würde sie erst so richtig anfangen!

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Und wie geht’s nu weiter?

Ich hatte ja schon ein bisschen Sorge, dass diese Hochstimmung nicht lange anhalten würde. Aber sie tat es! Den ganzen restlichen Weg bis Prestatyn. Meine Füße liefen wie von allein, nichts und niemand konnte meiner guten Laune etwas anhaben. Ich war einfach rundum zufrieden. Und bin es immer noch!

Mir war allerdings auch sehr schnell endgültig bewusst, dass dieses Gefühl weiteren Etappen fernab von irgendwelchen Wanderwegen, über zugewachsene Wege, viel befahrene Straßen und nervige Kuhherden, nicht standhalten würde. Und dass ich auch einfach absolut keine Lust auf weitere solcher Etappen hatte. Und somit stand sehr schnell fest, dass ich mal wieder auf alternative Beförderungsmethoden (= Zug) ausweichen würde, um den Offa’s Dyke Path mit meinem neuen besten Freund, dem Pennine Way, zu verbinden.

Und so sitze ich nun, nach einem wunderbaren Pausentag am endlos weiten Sandstrand von Prestatyn, ratzfatz hier in Edale im Peak District und kann mein Glück kaum fassen. Es ist so wunderschön hier! Diese Berge… oh diese Berge!! Die sind hier in Großbritannien einfach immer noch das allerschönste für mich und werden jetzt für die nächsten drei Wochen mein Zuhause sein. Hach. HACH..

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Willkommen im Peak District!

Auf manchen Etappen des Offa’s Dyke Path, zum Beispiel in den Black Mountains im Brecon Beacons Nationalpark oder im Gebiet der Clwydian Range, konnte ich schon eine Vorahnung von dem erhaschen, was mich hier auf dem Weg von Edale nach Kirk Yetholm erwarten wird. Mit jedem erklommenen Hügel wurde meine Vorfreude größer. Und jetzt bin ich endlich da!

Der Pennine Way beginnt übrigens ungefähr auf der gleichen Höhe wie der Offa’s DykePath endet. Somit ist es wenigstens nur west-ost-mäßig geschummelt und nicht süd-nord-mäßig!! Hihi…

Bleibt nur noch zu hoffen, dass ich mit dem Wetter ähnlich viel Glück haben werde wie in den letzten fünf Wochen. Weil die kahlen Bergrücken können sonst auch ganz schön ungemütlich werden. Drückt mir die Daumen!!

Ich gönn mir jetzt hier in meinem kleinen B&B mit Bergblick noch eine Badewanne und einen kräftigen Schluck Rotwein aus dem Tetrapack (haha), lade die neuen Offline-Karten in meiner Ordnance Survey-App herunter und hüpfe vielleicht ein bisschen vor Vorfreude im Kreis.

Und übrigens: Nach meiner Wanderung kommen natürlich noch ausführlichere Berichte und Tipps usw. zu den einzelnen Abschnitten hier auf dem Blog!


Wenn Du virtuell mit mir den Pennine Way entlang wandern willst, folge mir am besten auf Facebook, Instagram, Twitter und/oder Snapchat

Außerdem kannst Du auf dieser Seite immer live verfolgen, wo ich mich gerade so herumtreibe.


Warst Du schon mal auf dem Pennine Way unterwegs? Wie wars? Ich freu mich über jeden heißen Tipp und jede Geschichte. Hinterlass mir einfach einen Kommentar unter diesem Artikel!

21 Comments

  1. Hallo liebes Fräulein,
    ich ziehe meinen Sommerhut vor deiner bisherigen Leistung :). Alle Achtung. Ich freue mich, dass du nicht aufgegeben hast und die Sache weiter durchziehst. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es manchmal da draußen werden kann, wenn einen der Mut verlässt. Ich bin den Pennine Way im letzten Jahr gelaufen, ungefähr um dieselbe Zeit wie du und hab auf meinem Blog täglich von meiner Reise berichtet. Das war bisher das ultimative Abenteuer für mich, denn ich habe vorher noch nie einen Fernwanderweg bestritten, und schon gar nicht allein mit Zelt. Auch dieser Trail hat es mächtig in sich, aber ich kann dir versprechen, dass er dich umso reicher beschenkt mit Landschaften und Menschen, die mehr als zauberhaft sind. Du wirst es sehen! Ich wünsche dir alles Gute dafür und freue mich auf deine Bilder und Geschichten! Liebe Grüße Steffi

    • Fräulein Draußen Reply

      Oh super, und Du hast ja sogar auch noch ziemlich ausführlich und pro Etappe berichtet!! Das wird meine Gute-Nacht-Lektüre heute. 🙂 Danke Dir und viele Grüße!

      • Das freut mich, hoffe aber, dass es dich nicht verunsichert hat :). Aber du hast ja viel mehr Erfahrung und Praxis. Ich hatte ja so gut wie keine und dann ist dieser Weg schon ’ne harte Nummer. Ich habe übrigens noch einen Song für dich: https://youtu.be/KXs5Os9ROjs

        Liebe Grüße und immer schön auf die Füße achten!
        Steffi

  2. Hallo,

    wenn man deine Bilder sieht und deinen en­thu­si­as­tischen Bericht liest bekommt man Lust sich sofort auf den Weg zu machen!

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass das Wetter so bleibt und freue mich auf weitere Bilder und Berichte!

    Weiter viel Spaß und alle Gute!

    LG
    Holger

  3. Viel Spaß auf dem Pennine way! Ich lese gerade das Buch „one man and his bog“! (Google mal) Hoffe du hast besser Wetter und nicht so viel bog wie der Typ im Buch Möchte den Weg auf jeden Fall auch mal gehen und freue mich auf deine Berichte.

  4. So toll! Viele schöne Erfahrungen auf den nächsten Etappen! Ich habe so Lust, auch aufzubrechen. Auch und gerade auf dem Pennine’s Way (den ich im Mai auf dem Hadrian’s Wall Path gekreuzt habe und der sicher schöner gewesen wäre als meine Strecke).

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke Dir!! Der Pennine Way läuft ja nicht davon. 🙂 (..behaupte ich jetzt einfach mal so.. 😀 )

  5. Schön, Deine wiedergefundene Begeisterung zu spüren und schön, dass Du sie wiedergefunden hast! Weiter so, ich drücke die Daumen. Und ziehe meinen virtuellen Hut davor, dass Du nicht aufgegeben hast.

    Ich denke, die nicht so schönen Tage gehören dazu zum Gesamterlebnis. Machen es mit aus. Lassen Dich wachsen.

    Top!

    Fussige Grüsse, Jana

    • Fräulein Draußen Reply

      Danke liebe Jana!! Fussige Grüße zurück. 😀 😀

  6. Oh, es ist so toll zu lesen, dass Du aus dem Tief raus bist. Das kenne ich auch auf meinen Reisen, die länger als drei Wochen dauern – und das ganz ohne wandern und nervige Wege. Auslöser kann bei mir alles sein: viele Menschen in der Großstadt sein. Oder nervige kleine Städte. Eine laute Bar unterm Hotel. Nicht erfolgreiches Geocaching. Fehlende öffentliche Verkehrsmittel – oder sogar zu gut funktionierende. Plötzlich legt sich ein Schalter um und die Luft ist raus und alles blöd und ich überlege, dass ich diesen Urlaub „abbreche“ und ganz was anderes machte. Nachdem ich einige Notfallpläne durchgegangen bin passiert plötzlich irgendwas und der Urlaub ist wieder super!!!
    Ich gratuliere Dir zu diesem Gefühl und hoffe es wird nun anhalten. Viel Spaß noch auf Deiner weiteren Wanderung.

    • Fräulein Draußen Reply

      Man muss wohl einfach versuchen, den Übeltäter zu erkennen und ihn möglichst schnell zu eliminieren. 🙂 Was auch immer es sein möge… Danke Dir!!

  7. …..oh, hier ist ja der aktuelle Teil, ich habe gerade meinen Kommentar zu dem älteren Beitrag VOR dem Start Deiner Wanderung geschrieben (betrifft Pennine Way, vielleicht liest Du ihn ja trotzdem). Kleine Ergänzung zu den tollen Übernachtungsstätten zwischen Gargrave und Alston:
    Ganz in der Nähe der JH Langdon Beck (Teesdale) haben wir bei einem Schafe züchtenden Ehepaar übernachtet, sehr familiär und super symphatische Leute. Besonders, da sie zwei Lakelandterrier haben (ich habe auch einen!), die leben im Stall zwischen Schafen, Kühen und Hühnern…
    Auf Cross Fell paß übrigens bei Nebel gut auf, hinauf findest Du dann noch, aber vom Gipfel abwärts sind überall Spuren getrampelt, ohne Kompaß (oder GPS) hat man sich dann schnell verirrt, wir haben eine halbe Stunde nach dem Weg gesucht. Da wird man auf einer fast 30 km langen Etappe dann schon etwas nervös…
    Nochmal schöne Tour!
    Olli

  8. Hallo Kathrin,
    als UK-Liebhaber finde ich deinen Blog allgemein und deine Wanderung quer durch Großbritannien im Speziellen sehr aufregend. Bitte weiter machen und regelmäßig von deinem Abenteuer berichten.
    Ich habe mir mal erlaubt deinen Blog auf meiner Seite zu verlinken. Unter http://www.enjoyUK.net findest du meinen Beitrag. Vielleicht schaust du mal vorbei.
    Cheers – Michael

  9. Christa Börsch Reply

    Hallo Kathrin,
    ich habe erst vor kurzem deinen wunderschönen Blog gefunden und folge ihm seitdem mit Spannung und Begeisterung. Als passionierte UK-Weitwandererin beneide ich dich darum, jetzt den Pennine Way unter den Füßen zu haben. Ich war da vor neun Jahren im September, absolut klasse. Der Bemerkung meines Vor-Vor-Kommentators zu Cross Fell kann ich mich zu anschließen, ich stand da auch im dichten Nebel und mußte mich sehr sorgfältig mit dem Kompaß drüberlotsen. Ich bin sehr gespannt, wie du den Campingplatz in Alston findest (wenn du dort übernachtest) – schöne Lage, aber die schrägsten Sanitäranlagen, die ich je gesehen habe ;-)). Aber das kann sich ja mittlerweile geändert haben. Alles Gute weiterhin für deine Tour! Das Schönste kommt ja noch, wenn du Andy Robinsons Route folgst: der Cape Wrath Trail.
    Christa

    • Fräulein Draußen Reply

      Hallo Christa,

      na dann herzlichen Willkommen hier! Mal gucken ob ich in Alston campe. Aber jetzt bin ich so neugierig auf die Sanitäranlagen, dass ich wohl nicht drumrumkommen werde! 😀 Mit der Navigation hab ich es dank der großartigen Ordnance Survey-App inklusive Offline-Karten und Ortungsfunktion zum Glück ziemlich einfach. Da sollte auch Cross Fell kein Problem sein. 🙂 Aber danke für den Hinweis!

      Viele Grüße aus Middleton

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