Letzte Woche habe ich etwas gemacht, dass ich eher selten tue: Ich habe Deutschland bereist! Und damit meine ich nicht die Berge, sondern das, was jenseits der berühmt-berüchtigten Weißwurstgrenze liegt. Eigentlich ist es ja gar keine Absicht, dass ich so selten in meiner Heimat unterwegs bin. Zugegebenermaßen ist für mich als Fan von weiten, menschenleeren Landschaften Deutschland nicht gerade ein Paradies und dennoch bin ich mir voll bewusst, dass es auch hier wunderbar schöne Gegenden gibt, in denen man die Natur in vollen Zügen genießen kann. Und das ganz ohne Jetlag, lange Anreise oder andere großartige Strapazen.

Und eine dieser Gegenden durfte ich nun für ein paar Tage kennen lernen. Sie liegt in der Richtung, in die wir Münchner ja nicht unbedingt immer als erstes denken, wenn wir eine kleine Auszeit im Grünen im Kopf haben. Um ins Vogtland zu kommen, muss man den Kompass nämlich nach Norden mit leicht östlichem Einschlag ausrichten. Und das fühlt sich  schon ein bisschen ungewohnt an. Aber es lohnt sich! Denn nach nur rund drei Stunden Fahrt passiert man die Grenze nach Sachsen und ist damit auch schon mittendrin im Wanderidyll namens Vogtland.

Vier Tage habe ich hier verbracht und zusammen mit meiner vierpfotigen Begleitung namens Noah die Gegend erkundet und dabei ist mir mal wieder bewusst geworden, dass auch Wandern in Deutschland ziemlich schön sein kann und dass das einige Vorteile mit sich bringt, die nun wirklich nicht von der Hand zu weisen sind.


Werbehinweis: Dieser Artikel sowie meine Reise ins Vogtland entstand in Zusammenarbeit mit Vogtland Tourismus. Meine persönliche Meinung wurde davon nicht beeinflusst.


1. Entspannung von Anfang an

Egal ob man mit der Bahn oder dem eigenen Auto anreist: Jede Anreise innerhalb von Deutschland ist wohl deutlich entspannter als irgendein Flug – zumindest wenn man nicht gerade mitten in den Sommerferien von den Alpen an die Ostsee fährt. Ich war ja selbst ein bisschen überrascht, als Google mir gesagt hat, dass man nur rund 3 Stunden von München ins Vogtland fährt! 3 Stunden, das ist für jemanden, der gerade einen 6.000-km-Roadtrip durch die USA hinter sich gebracht hat, nun wirklich mal gar nichts. Entspannt losfahren, entspannt ankommen, Entspannung wohin das Auge auch blickt! Und selbst am Anreise- und Abreisetag hatten wir so noch Zeit, Wandern zu gehen.

vogtland wandern entspannen
Hier wird nicht etwa Jetlag auskuriert, sondern einfach nur entspannt!

2. Keine Sprachbarrieren

Ich würde ja mal behaupten, dass ich durchaus sehr gut und flüssig Englisch rede, nicht zuletzt dank meiner vielen Reisen in englischsprachige Länder, Netflixkonsum, der Lektüre von englischen Büchern und der Tatsache, dass ich drei Jahre in einem amerikanischen Unternehmen gearbeitet habe, in dem Meetings und viele E-Mails auf Englisch auf der Tagesordnung standen. Und trotzdem habe ich bei Unterhaltungen auf Englisch oft das Gefühl, dass ich etwas nicht genau so sagen und damit rüberbringen kann, wie ich es gerne würde und dass ich auf Englisch nicht so sehr ich selbst sein kann, wie ich es auf Deutsch kann. Gleichzeitig habe ich auch das Gefühl, dass jemand, der Deutsch als Fremdsprache spricht, mich nie so verstehen wird wir ein Muttersprachler. Kurzum: Zwei Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache haben immer irgendwie eine gewisse Barriere zwischen sich. Und genau diese Barriere fällt weg, wenn man in seinem Heimatland reist und wandert, was zwischendurch durchaus mal ziemlich erfrischend sein kann.

Auf dem Höhensteig Klingenthal durchs Vogtland

3. Möglichkeiten über Möglichkeiten

Es gibt Länder und Regionen, die sind weniger gut für Wanderer geeignet und dann gibt es welche, die sind gut für Wanderer geeignet. Und dann gibt es noch Deutschland, und – was auch immer man dann von den Wandermöglichkeiten selbst halten möge – es ist schon ziemlich cool, wie gut dieses Land auf Wanderer eingestellt ist! Es gibt hier einfach unendlich viele Wandermöglichkeiten – von der kleinen Runde durch den Wald bis zum mehrere hundert Kilometer langen Fernwanderweg. Ganz zu schweigen von der oftmals sehr guten Beschilderung bis hin zu einer Fülle an verfügbaren Informationsmöglichkeiten. Und das Vogtland ist da übrigens keine Ausnahme – ganz im Gegenteil!

An Wanderwegweisern mangelt es im Vogtland nicht!

4. Kultur und Geschichte

Klar, Kultur und Geschichte gibt es theoretisch überall. Nur wie gut diese dann auch für Reisende und Wanderer erfahr- und erlebbar ist, das unterscheidet sich doch sehr. In Deutschland kann man sich vielerorts sicher sein, dass man diesbezüglich nicht zu kurz kommt. Und ich finde es ja eigentlich immer ziemlich spannend, zwischendurch auch mal in die eigene Geschichte und Kultur einzutauchen und nicht immer nur in die anderer. Das muss dann auch gar nicht unbedingt immer was großartig besonderes sein! Ein historisches Bauernhaus mit spannender Vergangenheit hier, ein traditioneller Flößergraben da, der einzige oberirdische Topasfelsen Europas dort. Dinge eben, über die man sonst nie nachgedacht, ja von ihrer Existenz nicht mal geahnt hatte, und die plötzlich einfach da sind und einen dann trotzdem irgendwie begeistern.

Die Elstertalbrücke ist die zweitgrößte Ziegelsteinbrücke der Welt und liegt direkt am Vogtland Panoramaweg

5. Eine Busfahrt, die ist lustig

Ein Hoch auf den öffentlichen Nahverkehr hier in Deutschland! Es gibt gefühlt keinen Fleck in diesem Land, der nicht irgendwie per Bus oder Bahn erreichbar ist. Und der große Vorteil davon fürs Wandern ist, dass man sich nicht immer auf die Suche nach Rundwanderwege machen oder gar die gleiche Strecke wieder zurücklaufen muss. Man kann sich einfach bequem in ein öffentliches Gefährt setzen und sich zum Ausgangspunkt der Wanderung chauffieren zu lassen, irgendwo hinlaufen und sich von dort wieder zurückbringen lassen. So hatten Hund und ich im Vogtland sogar die Chance, einzelne Etappen von Fernwanderwegen wie dem Kammweg oder dem Vogtland Panoramaweg zu erkunden, ohne uns Sorgen um unsere Rückkehr machen zu müssen.

6. Der Hund darf mit

Ich liebe Hunde und ich liebe das Wandern mit Hund. Leider aber kann ich unseren Familienhund viel zu selten mit auf Wanderschaft nehmen, da diese bei mir oftmals mit Flügen verbunden ist. Und dann laufe ich immer irgendwo durch die Weltgeschichte und blicke jedem Hundewanderer sehnsüchtig hinterher, stets mit dem Gedanken spielend, ob es wohl auffallen würde, wenn der Hund vielleicht einfach plötzlich nicht mehr da wäre (womit ich natürlich rein gaaar nichts zu tun hätte). Klar also, das Noah mit ins Vogtland musste! Und das war SO toll! Auch weil die Gegend dort einfach perfekt für das Wandern mit Hund war, der in der Sommerhitze dank viel Wald immer genügend Schatten hatte und immer wieder Seen und Flüsschen für ein kühles Bad gefunden hat.

Pause muss sein – auch für Wanderhunde

7. Nicht zu heiß, nicht zu kalt

Auch wenn immer gerne und viel über das deutsche Wetter gemeckert wird: Eigentlich haben wir es hier doch ziemlich gut! Die Winter nicht zu eisig, die Sommer nicht zu heiß, keine Regenzeiten (auch wenn sich das zugegebenermaßen gerade etwas anders anfühlt), keine endlosen Hitzeperioden. Auch das macht Deutschland zu einem perfekten Land für Wanderer.

8. Vollkornbrot

Last but not least: Vollkornbrot!!! Es geht nichts über Vollkornbrot beim Wandern. Egal ob zum Frühstück oder als Pausenmahlzeit. Vollkornbrot ist King. Und anständiges Vollkornbrot gibt es mal wirklich nur hier in Deutschland und nirgendwo sonst.


Meine Reise ins Vogtland im Überlick

Hast Du jetzt auch Lust bekommen, mal wieder ein Stück Heimat zu erkunden? Dann solltest Du unbedingt mal einen Blick auf das kleine grüne Vogtland im Süden Sachsens werfen, das sowohl für einen Kurztrip als auch für eine längere Fernwanderung auf den beiden Qualitätswanderwegen Kammweg und Vogtland Panoramaweg eine tolle Idee ist. Ein eigener Artikel mit mehr Infos zu meiner kleinen Auszeit im Vogtland folgt noch, aber hier schon mal die wichtigsten Infos:

Reisezeit: 4 Tage Mitte Juli
Anreise: mit dem Auto von München nach Klingenthal (Fahrzeit 3,5 Stunden)
Fortbewegung vor Ort: Auto und öffentliche Verkehrsmittel
Unterkunft: Ferienhotel Mühlleiten (direkt am Kammweg und Höhensteig Klingenthal gelegen; Bushaltestelle vor der Tür; Hunde in einigen Zimmern erlaubt; Einzelzimmer verfügbar)
Wanderprogramm:
– Tag 1: Halbtageswanderung auf dem Höhensteig Klingenthal von Klingenthal Zentrum nach Mühlleithen (11 km)
– Tag 2: Tageswanderung auf dem Kammweg von Schöneck nach Mühlleiten (16 km)
– Tag 3: Tageswanderung auf dem Vogtland Panoramaweg  von Markneukirchen / Wohlhausen nach Zwota (22 km)
– Tag 4: Halbtageswanderung in der „Vogtländischen Schweiz“ (Triebtal / Pöhl) (7 km)

Vogtländische Wanderidylle

Wandern im Vogtland

Das Vogtland ist ein Paradies für Wanderer! Neben vielen anderen Routen gibt es insgesamt fünf sogenannte Qualitätswanderwege. Was zugegebenermaßen ein bisschen spießig klingt, ist eigentlich eine ziemlich gute Sache! Denn das bedeutet, dass die Wege zum Beispiel mindestens zu 35% auf naturbelassenen Wegen entlangführen, lückenlos ausgeschildert sind, durch abwechslungsreiche Landschaften und möglichst wenig Siedlungen sowie an regionalen Sehenswürdigkeiten vorbei führen und vieles mehr.

Neben den oben verlinkten Wanderwegen, die ich auf Tagestouren bereits kennen lernen durfte, gehören noch der Talsperrenweg Zeulenroda und der Elsterperlenweg dazu.

Diese und viele weitere Wandertouren im Vogtland findest Du hier hier auf der Seite von Vogtland Tourismus, sehr praktisch als interaktive Karte aufbereitet.

Team Vogtland in Action

Fallen Dir noch weitere Gründe dafür ein, Deutschland in die Reise- und Wanderplanung einzubauen? Dann rein damit in die Kommentare!

11 Comments

  1. Michael Wildey Reply

    Ich finde es schön das Du auch mal in Deutschland unterwegs bist. Die Wanderwege hier sind gut ausgeschildert und wenn man möchte, dann braucht man noch nicht einmal einen großen Bogen um Ansiedlungen zu machen. Die ergeben sich je nach Wanderweg von selbst.
    Ich hoffe Du lernst noch andere Ecken in Deutschland kennen. Ich würde Dir den Soonwaldsteig und den Saar-Hunsrück-Steig mit der Geierlayhängeseilbrücke empfehlen.

    Viele Grüße aus Nordirland vom International Appalachian Trail

    • Fräulein Draußen Reply

      Die ein oder andere Ecke wird sicher bald noch dazu kommen, spätestens nächstes Jahr. 🙂 Danke für die Tipps!

      Viele Grüße nach Nordirland und fröhliches Wandern!
      Kathrin

  2. Schön die Bilder von Klingenthal gesehen zu haben, da war ich im Sommer auch erst. Den Höhensteig mit dem Vogtland Panoramaweg gemixt. Tolle Gegend…schön das es dir auch gefallen hat.

    • Fräulein Draußen Reply

      Da war ich auch schon mal. 🙂 Leider hatte ich damals mein Kameraladegerät vergessen, somit gibt’s nicht viele Beweise dafür. 😉

      • Also in der sächsischen Schweiz kann ich den Aktivhof als perfekten Ausgangspunkt empfehlen

  3. ÖPNV? Echt? Auf dem land lebend muss ich sagen „nix mit einfach mal wohin wandern“. Klar, wenn man vielleicht bereit ist noch mal 2-3h auf einen Bus zu warten (dann kann man die Strecke auch gleich laufen), wenn man außerhalb der Schulzeit unterwegs ist.
    Dann ist das Vogtland da deutlich besser erschlossen.

    • Fräulein Draußen Reply

      Ausnahmen bestätigen sicher auch hier dir Regel, aber so grundsätzlich ist Deutschland schon sehr gut bestückt, was das angeht (verglichen mit vielen anderen Ländern). Gerade auch dort, wo eben der Tourismus und das Wandern gefördert werden. Natürlich kann man sich aber nicht blind drauf verlassen und muss Strecke und Zeiten auf jeden Fall mit dem ÖPNV abstimmen.

    • Das Problem beim ÖPNV sind tatsächlich die Frequenzen bzw. Wartezeiten.
      Ich mache es deshalb immer so, dss ich gleichzeitig versuche, per Anhalter zu fahren, wenn ich auf dem Rückweg von der Wanderung oder zur Bushaltestelle bin. Zu wissen, dass noch ein Bus kommt, beruhigt, aber oft nimmt einen schon vorher jemand mit. Je ländlicher, desto besser klappt das. (Zugegeben ist das ein bisschen schwieriger mit einem Hund.)

      • Fräulein Draußen Reply

        Das stimmt natürlich. Wobei ein Bus ab und zu immer noch besser ist als kein Bus. 🙂 Ich hatte das Problem aber in diesem Fall gar nicht, da ich den Bus immer nur für die Hinfahrt genutzt habe und dann entweder zurück zur Unterkunft oder zurück zum Auto gelaufen bin. Bei der Wanderung selbst war ich dann somit immer ganz flexibel und musste mich nur morgens nach dem Busfahrplan richten.

  4. Toll, dass Du Deutschland entdeckst. Finde es, hier zu wandern, immer wieder klasse: einfach so rein in die Schuhe und los. Habe glücklicherweise einige (111 :D) Traumschleifen hier um mich herum und es ist so wunderbar unkompliziert. Wie sich ein paar Stunden Auszeit zu nehmen und durchzuschnaufen. Und um den Wuff beneide ich Dich <3 🙂 Bitte mehr davon! 🙂

    Viele Grüße,
    Bianca

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