Wandern in Connemara: Der Glencorbet Horseshoe

6 Gipfel – 9 Stunden – 16 Kilometer – 1500 Höhenmeter… Klingt krass, oder? Genau. Jetzt weißt Du auch schon, warum dieser Artikel NICHT vom Glencoaghan Horseshoe handelt, dem Endgegner unter allen Wanderungen in Connemara. 🙂 Dafür aber vom kleinen Bruder, dem Glencorbet Horseshoe: immerhin 3 Gipfel – 12 Kilometer – 6 Stunden – 1100 Höhenmeter! Und der hatte es auch schon ganz schön in sich.

Benbrack (582m), Benfree (638m) und Benbaun (729m), die drei Gipfel dieser Wanderung, liegen im Norden der sogenannten „12 Bens“, dem bekanntesten Gebirgszug in Connemara und sind weitaus unpopulärer als die sechs Gipfel des Glencoaghan. Dabei ist der Benbaun sogar der höchste Berg des gesamten Gebirgszuges! (Theoretisch kann man der Wanderung ganz unkompliziert noch zwei weitere Gipfel hinzufügen, Muckanaght und Benbaun – nicht verwirren lassen, gleicher Name, anderer Berg – was dann aber nochmal 2 Stunden und einige Höhenmeter mehr bedeutet.)

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„An der Straße an dem Fluß in der Nähe eines Hauses mit Spitzdach und Veluxfenster an einer Wasserleitung“ – so lautete in etwa die Beschreibung, die mich zu der kleinen Parkmöglichkeit, die als Start der Wanderungen dient, lotsen sollte. Nachdem ich meine Umgebung ausreichend mit der Schilderung im Buch abgeglichen und mich selbst davon überzeugt hatte, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn hier im Umkreis von 10km noch ein Veluxfenster oder eine Wasserleitung oder ein Fluss wäre (äähm..), machte ich mich bereit zur großen Besteigung von einem Viertel (in your face, Mathe-Abi!) der 12 Bens.

Ich war noch keine 10 Minuten unterwegs auf dem Schotterweg, der mich zum Beginn des Horseshoes bringen sollte, da hielt neben mir schon ein Geländewagen, in dem ein alter irischer und ganz eindeutig konversationsmäßig nicht ausgelasteter Bauersmann saß. Nachdem ich mich ausführlich mit ihm über mein Leben unterhalten hatte, lies er mich ziehen und ich konnte mir endlich in Ruhe überlegen, wo auf dem flachen Grashügel neben mir ich denn nun beginnen sollte, an Höhe zu gewinnen. Das ist gar nicht so einfach, wenn alles gleich aussieht! Man kann ja nicht einfach irgendwo gehen, nein. Man muss schon den besten Weg mit der ausgeglichensten Steigung, den wenigstens Hindernissen, den schönsten Blümchen und den flauschigsten Schafen wählen. Irgendwann bildete ich mir ein, ihn gefunden zu haben, und bahnte mir meinen Weg nach oben.

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Schon früh wurde mir schmerzlichst zurück ins Gedächtnis gerufen, dass querfeldeinlaufen einfach so viel anstrengender ist als auf schönen kleinen Trampelpfaden der heimischen Alpen. Und gleichzeitig macht es so viel mehr Spaß, sich seinen eigenen Weg zu suchen und nicht einfach nur den Weg zu gehen, der dir von anderen vorgegeben wurde. (Das klingt jetzt philosophischer als es sollte.) Und dann bist Du oben auf der ersten Anhöhe und dann siehst Du, dass Du erstmal wieder bergab musst, nur um auf der anderen Seite wieder alles bergauf zu laufen. Und dann stehst du mit dem Schuh plötzlich mitten im Schlamm und denkst dir: Oh Du bittersüße Outdoor-Welt! (Aber es hat ja auch niemand behauptet, dass Wandern in Connemara was für Weicheier wäre!)

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Langsam wurde der Untergrund steiniger und ich näherte mich meinem ersten Gipfel. Der Benbrack liegt am hinteren Ende des Tals und man hat einen ersten tollen Blick über das Glencorbet und vor allem rüber zu den Maumturks, einem weiteren bekannten Gebirgszug in Connemara. (Die sind beim nächste Mal Wandern in Connemara dran!)

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Für eine Pause war es hier oben leider zu windig, also machte ich mich an den Abstieg in die Senke, die zwischen Benbrack und Muckanaght bzw. Benfree liegt. Ein paar andere „Wanderer“ hätten scheinbar auch gerne was von meinem Pausenbrot abbekommen (Ich hab mich nur ganz leicht beobachtet gefühlt. Gaaaanz leicht. Minimal.) >>

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Der nun folgende relativ steile und weglose Anstieg auf den Benfree war der anstrengendste Teil der der Tour. Aber auch der war irgendwann bezwungen und zum ersten Mal sah man den ganzen Gebirsgzug der Twelve Bens – und dahinter das Meer. In der Ferne auf einem anderen Gipfel entdeckte ich ein paar Menschen, die wohl den Glencoaghan Horseshoe in Angriff genommen hatten. Auf meiner Route hingegen hatte ich bis auf den Bauer im Tal noch keine andere Menschenseele getroffen. (Und dabei sollte es auch bleiben.)

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Nach einer weiteren kleinen Erholungspause kam der der letzte kleine und weitaus angenehmere Ab- und Aufstieg zum Benbaun, dem höchsten der Twelve Bens. Dort war dann allerdings auch das letzte bisschen Windschutz dahin und ich war froh um den in Schottland und Irland sehr üblichen kleinen Windschutz aus Steinen. Hier oben, auf dem höchsten Gipfel im County Galway, wurde bestätigt, was ich eigentlich schon wusste: Wandern in Connemara ist das schönste, was Irland zu bieten hat! Rauhe und malerische Gebirgszüge, wilde Natur, weiße Strände, wenig Tourismus und Irland in seiner ganz ursprünglichen Form. (Und Connemara-Ponys, die früher in Posterform mein Kinderzimmer gepflastert haben.)

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Vom Benbaun aus kann man entweder den direkten Weg ins Tal nehmen oder noch einen Umweg über den Binn Charrach (Hill Knockpasheemore) einlegen. Mir haben drei Gipfel für diesen Tag gereicht und ich hab mich erst über ein Schotterfeld und dann immer an einem kleinen Bachlauf heran ins Tal durchgekämpft. (Achtung, die Brücke, die früher im Tal über den Fluß geführt hat, ist kaputt! Bei mir war der Bach nur schmal, aber nach stärkeren Regenfällen sieht das sicher anders aus. Allerdings würde ich die Tour aufgrund der teils relativ steilen Grashänge nach/während stärkerem Regen sowieso nicht empfehlen!)

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Am Auto angekommen pirschte sich schon der nächste alte irische Bauer an, der gerade in der Nähe seine drei Border Collies ausführte und sofort auf mich zukam, als er mich sah. Er wollte mir hauptsächlich mitteilen, dass ich mir hier den schönsten Fleck überhaupt ausgesucht hatte. Und dass Wandern sehr gesund ist und man immer ganz viel raus gehen sollte. Und dass sie Leute heutzutage ja viel zu wenig draußen sind. Und dass ich das bloß weiter so machen soll, das hat er auch noch gesagt. Und dann hat er sich umgedreht und ist nach seinen Hunden pfeifend weitergegangen. Ich finde er hatte recht.

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Wandern in Connemara – Tipps für die Planung

Beste Reisezeit: das Frühjahr gilt als trockenste Zeit, der Mai ist zudem noch der sonnigste Monat (dennoch ist das Wetter gerade an der Westküste verhältnismäßig nass und unberechenbar, Regenhose & Co. sind also absolutes Muss!)
Anreise: Der nächstgelegene Flughafen ist in Galway. Direktflüge nach Galway gibt es leider nicht – eine Anreise per Flugzeug ist nur mit Zwischenstopp z.B. in Dublin möglich. Auch ein Mietwagen ist aber eine gute Alternative – von Dublin ist man mit diesem z.B. in ca. 2,5 Stunden in Galway.
Charakter/Landschaft: Heide und Moor im Süden, karge Berglandschaften im Norden
Anforderungen: Die Gipfel sind kaum höher als 700m – unterschätzen sollte man sie dennoch nicht. Regen, Nebel und Wind können die „Kleinen“ schnell zu einer großen Herausforderung werden lassen. Auch Wegweiser und Wanderwege sind Mangelware, Karte und Kompass müssen unbedingt dabei sein.
Kartenmaterial: Ordnance Survey Ireland – Discovery Series (1 : 50000), Nr. 37 + 38 + 44 + 45, jeweils ca. 9 Euro (die von mir beschriebene Wanderung findest Du in der Nummer 37, erhältlich bei Amazon*)
Literatur-Tipp:Connemara & Mayo: Mountain, Coastal & Island Walks: A Walking Guide“ (Englisch, 15€, erhältlich z.B. bei Amazon*) – hier findet sich auch eine detaillierte Beschreibung zum Glencorbet Horseshoe
Unterkunft: Ben Lettery Hostel am Fuß der 12 Bens (das Hostel dient auch als Ausgangspunkt für den Glencoaghan Horseshoe und zählt zu meinen persönlichen Top3-Hostels in Irland!)

 *Wenn Du das Produkt über diesen Link kaufst, bekomme ich von Amazon eine kleine Gewinnbeteiligung, ohne dass Du mehr zahlen musst. Danke für Deine Unterstützung! 🙂

 

 Wandern in Connemara – wär das auch was für Dich? Warst Du schon mal dort? Was ist Deine Lieblingsregion in Irland? Erzähl’s mir in den Kommentaren!

 

 

11 Kommentare

  1. Was für ein schöner Bericht und tolle Fotos. Und der alte Bauer und du scheinen wirklich Recht zu haben. Es sieht nach einem ganz besonderen Flecken Erde aus.
    Ich war noch nie in Irland. Aber wir haben schon oft drüber gesprochen 😉
    Viele Grüße
    Alex

    • Fräulein Draußen Antworten

      Danke, Alex! 🙂 Mit Hund könnte es in Irland tatsächlich auch etwas schwieriger sein, da die Schafe überall rumlaufen. Wenn der Hund da cool bleibt, ist’s an sich ja kein Problem, aber ich glaub einige Bauern haben da schlechte Erfahrungen gemacht und Verbotsschilder an den Weiden aufgestellt. Da müsste man zumindest ein bisschen genauer planen. Aber ihr solltet trotzdem hinfahren! Mit dem Schiff!!! 😉

  2. Hey Kathrin, super Bericht! Klingt nach einer tollen Tour, die ich mir für meine nächste Irland-Reise gleich mal abspeichere. Letzten August sind wir nicht bis ins Connemara gekommen, sondern nur bis kurz vor Galway. Macht aber nichts, denn wir machen nächstes Mal einfach dort weiter, wo wir diese Mal aufgehört haben 🙂
    Du hattest mir übrigens den Tipp für die Wanderung eines Teils des Kerryways gegeben (danke dafür nochmals!). Einen Teil von dem Teil sind wir gelaufen, den Bericht darüber muss ich auch endlich mal schreiben….
    Liebe Grüße,
    Nicole

    • Fräulein Draußen Antworten

      Hi Nicole,

      dankeschön und – mach das unbedingt! Ihr solltet nächstes mal auf jeden Fall Connemara und auch Donegal abgrasen – waren für mich die tollsten Gegenden.

      Freut mich, dass Ihr meinen Kerry Way-Tipp (teilweise) in die Tat umgesetzt habt. Hoffe Ihr habt es nicht bereut?! 😉 Gib mir unbedingt Bescheid, wenn Dein Bericht online ist!

      Ich fahr übrigens nächste Woche schon wieder nach Irland – ein langes Wochenende in den Wicklow Mountains. Irgendwie hab ich ja das Gefühl, dass es mir da fast so gut gefallen könnte wie in Connemara und Donegal 🙂

      Schönes Wochenende
      Kathrin

      • Natürlich haben wir das NICHT bereut 🙂 Ich gebe Laut, wenn der Bericht online ist.
        Ich wünsche dir ganz viel Spaß in den Wicklow Mountains und freue mich schon, davon zu lesen!
        Schönes WE, Nicole

        • Fräulein Draußen Antworten

          Dankeschön! Hoffentlich wird das Wetter nicht allzu .. irisch 🙂

          lg
          Kathrin

  3. Oh, klasse. Wandern in Irland steht schon lange auf meiner Liste! Die Aussicht auf diesem Trip ist ja grandios! Sonnige Grüße, Jutta

    • Fräulein Draußen Antworten

      Hi Jutta! Dann wird’s aber Zeit 🙂 Geht übrigens auch ganz gut mal für ein langes Wochenende, wenn man einen billigen Flug nach Dublin erwischt. Gleich südlich davon ist nämlich der Wicklow Mountains Nationalpark, den ich zufällig dieses Wochenende mal auschecken werde 🙂 Bericht folgt!

      Liebe Grüße
      Kathrin

  4. Ein ganz toller Bericht über Connemara!
    Du hattest ja schon gesehen, dass wir auch schon da waren 🙂
    Unsere Zeit dort war leider viel zu kurz.

    Mach auf jeden Fall so weiter mit deinem Blog! Es macht Spaß zu stöbern.

    Viele Grüße!

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