Wandern mit Willi – Trekking im Cradle Mountain Nationalpark

Wer mich kennt weiß, dass ich meine Wanderwege am liebsten ganz für mich alleine habe und mit niemandem teile – außer natürlich ausgesuchten Mitwanderern. Eine dieser Ausnahmen trägt Plüsch und hört auf den Namen Willi. Willi Wombat. Spätestens nachdem ich dieses Foto auf dem offiziellen Instagram-Kanal Tasmaniens entdeckt habe, wusste ich, dass ich für das Wandern mit Willis (=Wombats) an den richtigen Ort kommen würde:


Denn der Cradle Mountain Nationalpark ist Wombat-Land! Aber natürlich waren all die Willis nicht der einzige Grund, an diesen wunderbaren Ort zu kommen. Der Cradle Mountain Nationalpark ist einfach nicht umsonst eines der beliebtesten Ziele auf der Insel.

Zusammen mit den Nachbar-Nationalparks Lake St. Clair und Walls of Jericho bildet er ein eindrucksvolles Wirrwarr aus Bergseen, Schluchten, Moorland, Bergketten, Regenwäldern, Wasserfällen, Heideland und vielem mehr. Die Gegend im inneren des Landes ist tasmanische Wildnis wie aus dem Bilderbuch, die im Gegensatz zu vielen anderen relativ gut zugänglich ist.

Blick auf den Cradle Mountain
Mister Cradle Mountain höchstpersönlich
Kleiner Bergsee im Cradle Mountain Nationalpark
Ein Fleck ist schöner als der andere

Neben dem wohl berühmtesten Wanderweg Tasmaniens, dem Overland Track, gibt es auch viele Tageswanderungen und kleine Mehrtagestouren in diesem Gebiet, die relativ einfach zu bewältigen sind.

Eine davon war auch die 2-Tages-Tour, die wir uns ausgesucht hatten. Einmal um den Namensgeber des Nationalparks sollte sie führen, und damit in eine Welt, die ich mir schöner nicht hätte ausdenken können.

Die Befürchtung, dass es während der Superoberhochsaison vielleicht unangenehm voll werden könnte, wurde zum Glück sehr schnell zerschlagen. Jenseits der Parkplätze und Hauptwanderwege war es genauso menschenleer, wie man es sich für ein kleines Abenteuer in der Wildnis wünscht.

Ein Warnschild, das in diesem Fall durchaus seine Berechtigung hat
Trekking im Cradle Mountain Nationalpark
Von Anfang an fest im Blick: Das Bergziel des nächsten Tages

Da wir an diesem Tag ein bisschen faul unterwegs waren und somit erst am späteren Mittag vom Visitor Center aus starteten, entschieden wir uns den Routenvorschlag des Wanderführers umzudrehen und mit dem kürzeren Teil zu beginnen. Das gab uns genügend Zeit, die Umgebung zu genießen, auf dem Hanson Peak in der Sonne mit Blick auf den wunderschönen Dove Lake und die imposanten Hänge des Cradle Mountain zu sitzen und … die Umgebung nach Wombats abzusuchen. Dass wir in einer Wombat-Hood waren, war relativ deutlich anhand der zahlreichen würfelförmigen Hinterlassenschaften (der Mythos ist wahr!!!) zu erkennen. Wir waren zwar eigentlich nach Wombat-Zeitrechnung noch etwas zu früh dran, aber man kann ja nie wissen.

Auf dem Gipfel des Hanson Peak
Hoch über dem Dove Lake mit Blick auf den Namensgeber des Nationalparks

Mit dem Anblick von Wombats wurden wir während unserer ersten Etappe leider nicht belohnt, dafür aber mit einer Natur, die ihresgleichen sucht.

Regenwald im Cradle Mountain Nationalpark
Der Wanderweg ist stets ausreichend erkennbar und wenn nötig beschildert
Am Artists Pool mit Blick auf die Rückseite des Cradle Mountain
Der Blick vom berühmten Artists‘ Pool auf die Rückwand des Cradle Mountain – hier durch einen Waldbrand in der Ferne leider etwas vernebelt…
Trekking im Cradle Mountain Nationalpark
Tasmanien wie aus dem Bilderbuch

Nach ca. drei Stunden Gehzeit kamen wir an der Scott-Kilvert-Hütte an und bauten dort unser Zelt auf. Seeblick auf Lake Roadway gab es von dort aus leider nicht, dafür unverbaute Aussicht auf die Rückwand von Cradle Mountain höchstpersönlich.

Wildzelten im Cradle Mountain Nationalpark
Mein tasmanisches 5-Sterne-Hotel

Der nächste Tag versprach deutlich anstrengender zu werden, aber dafür sollten wir heute auch auf dem Gipfel des Bergs stehen, den wir die ganze Zeit schon vor Augen hatten.

Nach einiger Zeit im tasmanischen Regenwald mit zahlreichen steilen Anstiegen fanden wir uns plötzlich in einer völlig anderen Landschaft wieder. Vor uns war einfach nur endlose weite Gras- und Heidelandschaft, hier und da durch einen Berggipfel unterbrochen. Der markanteste dieser Gipfel war Barn Bluff, der durch sofort aufkommende Erinnerungen an Monument Valley ein bisschen Wildwest-Feeling aufkommen ließ.

Trekking im Cradle Mountain Nationalpark
Steile Anstiege werden oft durch Holzstufen erleichtert

Blick auf Barn Bluff
Barn Bluff bringt das Wildwest-Feeling aus dem Monument Valley nach Tasmanien

Hier begegneten uns dann auch zum ersten Mal wieder andere Wanderer, die uns daran erinnerten, dass wir doch nicht die einzigen Menschen in dieser wilden Landschaft waren. Am Fuß des Cradle Mountain angekommen fühlte man sich dann schon fast ein bisschen auf einer Ameisenstraße. Wenn auch diese zu einem eher dünn besiedelten Ameisenbau gehören musste – wir sind ja schließlich immer noch in Tasmanien und nicht am Münchner Stachus.

Trekking im Cradle Mountain Nationalpark
Wasserquellen findet man unterwegs immer wieder
Start der Wanderung auf den Cradle Mountain
Am Anfang sieht alles noch relativ harmlos aus…

Wir legten unsere Trekkingrucksäcke am Wegesrand hinter einem Gebüsch ab und begannen den Anstieg zum Gipfel des Cradle Mountain nur mit einer Wasserflasche bewaffnet und der Regenjacke um die Hüften geknotet. Leider sollte sich bald herausstellen, dass der Weg zum Gipfel deutlich beschwerlicher sein sollte als erwartet. Um über die dicken Felsbrocken zu kommen, waren beide Hände absolut notwendig und so mussten wir uns irgendwann geschlagen geben und ohne Wasserflasche weiterkraxeln.

Auf dem Weg zum Gipfel des Cradle Mountain
Auf dem Weg zum Gipfel gilt es viele solcher Felsbrocken zu überwinden
Blick vom Cradle Mountain auf den Nationalpark
Der Anstieg auf den Cradle Mountain lohnt sich selbst wenn man es nicht bis ganz nach oben schaffen sollte

Glücklicherweise trafen wir zwischendurch die Familie wieder, die mit uns an der Scott-Kilvert-Hütte übernachtet hatte, denn wir wollten wegen des fehlenden Wassers schon fast vorzeitig umdrehen. Nach ein paar großen Schlucken aus ihrer Wasserflasche – sie waren schon wieder auf dem Rückweg und brauchten daher nicht mehr viel von ihrem Vorrat – waren wir bestens gerüstet für die restliche Kletterpartie. Zum Glück!! Denn wenn wir wirklich umgedreht wären, hätte ich mir das wohl für den Rest meines Lebens nicht mehr verziehen. Der Ausblick vom Gipfel des Cradle Mountain war einfach nur AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH. Und außerdem hätte ich dann nie dieses Foto von mir bekommen…

Auf dem Gipfel des Cradle Mountain
Kleines Fräulein in großer Wildnis
Auf dem Gipfel des Cradle Mountain
Endlose Weitblicke vom Gipfel des Cradle Mountain

Der Abstieg war dann auch gar nicht so kompliziert wie gedacht und unsere Wasserflasche war auch noch dort, wo wir sie zurückgelassen hatten. Achso, und unsere Rucksäcke natürlich auch. Nach einer leckeren Mahlzeit aus der Tüte traten wir den restlichen Rückweg an, auf dem wir uns endlich wieder auf unsere eigentliche Mission konzentrieren konnten: Dem Erspähnen von Wombats!

 

Am Crater Lake im Cradle Mountain Nationalpark
Runtergucken auf den Crater Lake…

Wanderweg aus alten Holzplanken

Wir näherten uns immer weiter dem Endpunkt unserer Wanderung, es war bereits später Nachmittag. Kein Wombat weit und breit. Irgendwann konnten wir bereits in der Ferne die Haltestelle für den Shuttle Bus erkennen, der uns wieder zum Visitor Center bringen sollte. Kein Wombat weit und breit.

Irgendwann, es waren vielleicht noch 10 Minuten unserer Trekkingtour im Cradle Mountain Nationalpark übrig, sahen wir weiter hinten auf dem Holzsteg zwei Menschen, die etwas im Gras fotografierten. Ein Waldbrand der Hoffnung flammte auf und – tatsächlich – es war ein Wombat! Und er hatte Freunde. Oben an den Hängen, unten auf den weiten Wiesen, überall waren kleine, plüschige, grasende Wesen zu erkennen. Nach zwei Tagen des Suchens waren wir mitten in einem verdammten Wombat-Zoo gelandet. Nur dass es kein Zoo war, sondern die freie Wildbahn. Und sie hießen übrigens wirklich alle Willi. Wer hätte das gedacht.

Wanderweg aus Holzplanken im Cradle Mountain Nationalpark
Den Wombats ganz nah… Zum Schutz der Natur gibt es immer wieder Wegteile, die auf Holzplanken verlaufen
Wombat im Cradle Mountain Nationalpark in Tasmanien
WILLI!!!!!!!!!!!!!

Das Trekking im Cradle Mountain Nationalpark war definitiv eines der schönsten Erlebnisse unserer Tasmanien-Reise und ich wäre so gern noch länger durch dieses Wunderland gewandert. Das nächste Mal dann. ❤️

Alle Infos zur Trekkingtour im Cradle Mountain Nationalpark

Dauer: 2 Tage

Höhenunterschied: 1020m Aufstieg und 950m Abstieg

Anforderungen: Die Tour ist an sich eher leicht, allerdings mit einigen steilen Passagen. Auf Hanson Peak und besonders Cradle Mountain kommen auch die Hände zum Einsatz, was jedoch keine besonderen Vorkenntnisse erfordert, allerdings Trittsicherheit und auch ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit. Beim Aufstieg zum Cradle Mountain sollte man bei Nässe besonders vorsichtig sein, die Rundtour ist aber theoretisch auch ohne Gipfelbesteigung möglich.

Übernachten: Zelt oder Scott Kilvert Hut – Bei Übernachtung im Zelt sollte man beachten, dass Zelten im Bereich der Tageswanderungen (sprich alles bis Cradle Mountain) verboten ist. Die Hütte ist relativ groß, sodass zumindest kleine Gruppen immer ein Plätzchen finden sollten. Die Übernachtung hier ist kostenlos und ohne Reservierung möglich.

Ausgangspunkt: Parkplatz / Bushaltestelle (Shuttlebus!) am Ronny Creek oder Dove Lake – je nachdem ob man in oder gegen den Uhrzeigersinn geht

Gut zu wissen:

  • Die Tour teilt sich bei Übernachtung in / bei der Scott Kilvert in einen kürzeren und einen längeren Teil auf. Wenn man erst später starten will oder kann, sollte man am Dove Lake starten, von wo aus es ca. 3 Stunden bis zur Hütte sind.
  • Wasserquellen in Form von Flüsschen, Seen und dem Wassertank an der Hütte gibt es abgesehen von der Strecke Ronny Car Park – Crater Peak – Cradle Mountain relativ viele
  • Gute Chancen auf Wombat-Sichtungen hat man morgens oder abends auf den großen Wiesen rund um Ronny Creek
  • Wenn man auf den Gipfel des Cradle Mountain möchte, sollte man unbedingt an einen kleinen Tagesrucksack denken – mit großem Rucksack auf den Gipfel zu klettern ist unmöglich oder zumindest sehr umständlich und gefährlich und die Hände sind hier ebenfalls ganz gut beschäftigt

Die genaue Beschreibung der Tour sowie viele andere kleine und größere Wander- und Trekkingtouren in Tasmanien findest Du im Tasmanien-Wanderführer vom Rother Bergverlag, der übrigens gerade (Januar 2016) in einer neuen Auflage erschienen ist:

Tasmanien


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Warst Du auch schon mal (wandernd) in Tasmanien unterwegs? Hast Du vielleicht sogar schon mal Trekking im Cradle Mountain Nationalpark gemacht? Ich freu mich auf Deinen Kommentar! 

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7 Kommentare

  1. Wuhuuuuuuu – ihr habt die dicken Wombatse doch noch gesehen!!!!! Das ist total genial 🙂 🙂
    Und das Gipfelfoto von dir ist wirklich jede Mühe wert gewesen!!!!
    Wow, was für eine tolle Tour und danke fürs Teilhaben lassen!

    Liebe Grüße – auch an Willi – er ist doch sicher mitgekommen? !

    Corinna

    • Fräulein Draußen Antworten

      Jaaaa! Wir hatten zwar ein paar Tage zuvor auch schon mal Wombatse gesehen, aber das wäre nicht genug gewesen. 🙂 Willi hat seinen Plüschkollegen mitgeschickt – der wohnt jetzt mit dem Kuschelkloß auf der Couch. <3

    • Fräulein Draußen Antworten

      Nur seinen Plüsch-Kollegen. 🙂 Der ist aber auch schon unaushaltbar süß!!

  2. Hach, ich muss nochmal nach Tassie, unbedingt. Ich hatte es damals leider nicht in die Bergwelt geschafft. Vielleicht hätte ich andere Prioritäten setzen sollen, vielleicht war ich damals noch nicht soweit mich alleine in die Wildnis Tasmaniens zu trauen. Bei meiner nächsten Tassie-Reise ist der Cradle Mountain Nationalpark auf jeden Fall dabei. Deine Tour ist der Hammer, bin hin und weg. Die Willies hab ich zum Glück auch gesehen, sie können schwimmen und leben auf Maria Island.

  3. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im Februar 2016 - soschy on tour

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