Die Bäume huschen am Fenster vorbei. Es sieht ein bisschen aus wie ein GIF, dass auf „Repeat“ gestellt ist. Dabei handelt es sich aber ganz eindeutig um ein nordfinnisches GIF. Denn es sind keine Bäume, wie man sie hierzulande so in der Gegend rumstehen sieht. Sie sind kleiner. Teilweise seltsam verbogen. Sehen fast ein bisschen kränklich aus. Und doch bin ich ihr allergrößter Fan. Denn es sind es die tapfersten Bäume, die ich neben den Juniper Trees in der Wüste Arizonas bisher gesehen habe.

Schon immer war ich fasziniert von solchen Lebewesen. Von Lebewesen, die unter widrigsten Bedingungen (über)leben. Die mit wenig Wasser, großer Hitze, Waldbränden oder eben – wie im Falle meiner kleinen, krummen Helden da draußen – mit wenig Sonnenlicht, viel Kälte und noch mehr Schnee. Wir befinden uns hier immerhin im Syöte Nationalpark im Winter, irgendwo mitten in Finnland und kurz unter dem Polarkreis. Hier Baum zu sein, das macht wahrscheinlich nicht immer so richtig viel Spaß. Und doch sind sie da. Viele von ihnen. Sehr viele sogar.

Damals in Arizona habe ich einem besonderes mitgenommenen Exemplar Juniper Tree einen Schluck aus meiner Trinkflasche gegeben. Jetzt spüre ich irgendwie das Verlangen, den Schnee von einer besonders kleinen Fichte zu schütteln. Dabei habe ich die Rechnung jedoch ohne die Witterung hier oben gemacht. Denn das ist kein Schnee, der da schwer auf den Zweigen lastet. Das ist das pure Eis! Und noch viel schwerer, als es aussieht.

Wie hält man das denn bitte aus, kleiner Baum?

„Weißt Du,“ würde der kleine Baum sagen, wenn es nicht gerade unter einen tiefen Eisschicht stecken würde, „im Prinzip ist es ganz einfach: Du musst Dein eigenes Frostschutzmittel herstellen. Dann wird Dir nicht kalt und Du kannst schlafen und schlafen und vom nächsten Sommer träumen, bis er wieder da ist und das Eis schmilzt und Du mit Deinen immergrünen Nadeln das Licht aufsaugen kannst.“

Iso-syöte in finnland

Pekka der Busfahrer ruft zum Aufbruch, denn wir haben noch viel vor heute. Wir werden einer Herde Rentiere einen Besuch abstatten, Hundeschlitten durch tiefverschneite Landschaft lenken und mit Schneemobilen auf Nordlichtjagd gehen (bei bedecktem Himmel, aber ist ja auch egal).

Ich werde den ganzen Tag im 7. Lappland-Himmel schweben, bei dem Anblick der vielen freundlichen, aber skeptischen Rentieraugen in absolute Verzückung geraten und mit dem Gedanken spielen, nach Nordfinnland auszuwandern und Huskybesitzerin zu werden. Und doch werde ich von all dem immer wieder meinen Blick abwenden und zu den Bäumen am Wegesrand blicken. Und immer dann wird mein Lappland-Erlebnis erst so richtig vollkommen.

Gerade hat es im Syöte Nationalpark übrigens -8 Grad und leichten Schneefall. Na bitte, ihr kleinen, tapferen Bäume. Das ist doch gar nicht so schlimm! Vielleicht sind es sogar schon die ersten Anzeichen des Frühlings? Ich schicke Euch jedenfalls viel Durchhaltevermögen und wer weiß: Vielleicht entdecken irgendwelche Menschen in 9.000 Jahren einen von Euch und stellen fest: Hey, das ist der älteste Baum der Welt! So wie es 2008 mit der kleinen Fichte in mittelschwedischen Dalarna geschah. Wenn es einer verdient hat, dann ihr.


Nordfinnland im Winter – ein Ausflug in den Syöte Nationalpark

Möchtest Du diese Bäume auch mal kennen lernen? Und die Huskys? Und die Rentiere? Und vielleicht sogar die Nordlichter? Dann solltest Du dringend darüber nachdenken, dem Syöte Nationalpark einen Besuch abzustatten.

Anreise: Der nächstgelegene Flughafen ist in Oulu, und für dieses nordfinnische Städtchen solltest Du auf jeden Fall auch einige Zeit einplanen. Von Oulu ist gibt es eine direkte Busverbindung in den Syöte Nationalpark (2,5 Stunden), alternativ kann man die Strecke natürlich auch mit einem Mietwagen fahren.

Empfehlungen für Unterkünfte:
In Oulu: Lapland Hotel Oulu (ein äußerst schönes und detailverliebt gestaltetes und geführtes Hotel im Herzen der Stadt mit dem allerleckersten Frühstücksbuffet)

Im Syöte Nationalpark: Hotel Iso-Syöte (Hier gibt es alles vom Ferienhäuschen bis zur feudalen Nordlicht-Suite. Außerdem werden jede Menge Aktivitäten angeboten, wie z.B. auch unsere Nordlicht-Safari per Schneemobil, die auch ohne Nordlichter richtig cool war.)

Empfehlungen für Aktivitäten: 
Besuch auf einer Rentierfarm: Poro-Panuma 
Huskyschlitten-Safari: Syötteen Eräpalvelut
Nordlichtjagd per Schneemobil: Hotel Iso-Syöte
Pistenglück: Skigebiet Pikku-Syöte


Werbehinweis: Meine Reise nach Oulu und in den Syöte Nationalpark fand im Rahmen der Nordic Bloggers Experience statt. Vielen dank dafür, auch an die Rentierfarm Poro-Panuma sowie Visit Oulu und den Syöte Nationalpark. Meine Fichten-, Rentier-, und Huskyliebe sowie sämtliche andere Ansichten blieben davon natürlich unbeeinflusst.


Warst Du auch schon mal im Winter im Norden Finnlands unterwegs und konntest Bekannftschaft mit Rentieren, Huskys und natürlich den tapferen Fichten machen? Dann erzähl mir doch ein bisschen davon im Kommentarfeld!

3 Comments

  1. Das sieht mal kalt aus! Aber die Huskys und das Rentier sind total süß. Ich war leider noch nie dort, aber ich bin mir sicher, es würde mir gefallen! Durch unsere Island Reise bin ich auf den Geschmack gekommen was „kalte“ Reiseländer betrifft 😉

  2. Welch wunderbare Liebeserklaerung an Baeume!
    Meine Lieblinge sind moosbewachsen & leben in British Columbia 🙂

  3. Pingback: Blogger schreiben über den Norden | NordNerds im März 2017

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