„Hei Kathrin! Welcome to Lista fyr! We have left the keys for the apartment at […]. You also have a key to the lighthouse. In the apartment you will…“ Mooooooooooment! Ich habe was? Steht da gerade wirklich, dass ich einen Schlüssel zum Leuchtturm habe? Zu dem Leuchtturm, der sich direkt neben meiner Unterkunft für heute Nacht befindet?? Also zu meinem eigenen, einzigen, alleinigen Leuchtturm???

Bis jetzt hatte ich die SMS von Pål nur so nebenbei und Gefahr laufend, meine gesammelten Einkäufe auf dem Boden zu verteilen, weil meine Hände auch ohne Handy schon viel zu voll waren, gelesen. Aber jetzt blieb ich doch stehen, stellte die Schale Pfirsiche, um die ich am meisten Angst hatte, auf den Boden und sah mir die Buchstaben auf meinem Display nochmal genauer an. Ja, das stand da wirklich. Und plötzlich hatte ich es sehr, sehr eilig, nach Lista zu kommen.

Lindesnes Leuchtturm Norwegen
Nicht Lista, aber Lindesnes – der älteste Leuchtturm Norwegens

Es war die zweite Nacht meines kleinen Kurztrips nach Südnorwegen und ich war in der gar glücklichen Situation, zum zweiten Mal hintereinander direkt neben einem Leuchtturm an der norwegischen Küste übernachten zu dürfen. Gestern schlief ich in der ehemaligen Behausung des Leuchtturmwärters am Leuchtturm von Lindesnes, der südlichsten Landspitze Norwegens. Diese wurde zu einem wunderbar gemütlichen Apartment für bis zu 6 Personen umgebaut, die man mieten kann. Nicht jedoch der Kamin oder die vielen tollen Fotografien aus vergangenen Zeiten an den Wänden waren das Beste daran, sondern die Tatsache, dass man von jedem einzelnen Fenster aus das Meer sieht und quasi direkt reinspringen kann.

 

Lindesnes Leuchtturm übernachten
Meerblick von jedem Fenster im Apartment am Lindesnes Leuchtturm
Lindesnes Leuchtturm übernachten
Frühstück mit Meerblick und selbstgemachtem Brot und Aufstrich vom Feinkostladen Jentan på Båly
Leuchtturm bei der Arbeit
Lindesnes Leuchtturm Führungen
Führung von und mit dem Leuchtturmwärter höchstpersönlich!
Spannend, dieses leuchttürmische Innenleben!
Das vordere weiße Gebäude dient Übernachtungsgästen in Lindesnes als Behausung

Einen eigenen Schlüssel hatte ich für den Lindesnes Leuchtturm leider nicht, aber dafür einen äußerst netten Leuchtturmwärter, der mit mir am nächsten Morgen einen kleinen Rundgang über das Gelände und natürlich in den Leuchtturm selbst machte. Und mit „in“ meine ich wirklich richtig rein, denn ich durfte bis ins Herz des Turms klettern – dorthin, wo bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch offenes Feuer und später Petroleumbrenner ihr Licht auf die Linsen warfen, die die Strahlen bündeln und in die gewünschte Richtung werfen. Heutzutage übernimmt diese Aufgabe elektrisches Licht – im Falle des Lindesnes Leuchtturms zwei Birnen, die nicht wirklich größer sind als haushaltsübliche Glühbirnen.

Aber zurück nach Lista! Als ich mein Mietauto auf den Parkplatz des Leuchtturmgeländes lenkte, war keine Menschenseele mehr vor Ort. Da waren nur der Leuchtturm, ein paar kleine Gebäude, die zur Vogelbeobachtung und -forschung, als Museum und Souvenirshop dienen und ich. Nachdem ich mein Gepäck in einem der zwei Apartments auf dem Gelände untergebracht hatte, wollte ich sofort den zweiten Schlüssel an meinem Bund ausprobieren. Er war irgendwie ziemlich unscheinbar, sah aus wie der Schlüssel, mit dem ich in Teenagerzeiten mein Kinderzimmer vor ungewünschten Eindringlingen beschützt hatte. Und entsprach damit so gar nicht dem Bild, dass man im Kopf hat, wenn man das Wort „Leuchtturmschlüssel“ hört. Aber egal! Hauptsache er sperrt diesen Turm da gleich für mich auf.

Eine Welt für sich: Lista Fyr

So ganz glaubte ich ja immer noch nicht dran und vielleicht war ich deshalb auch ein bisschen aufgeregt. So aufgeregt, dass ich mich erstmal mehr als in irgendeinem Fall notwendig vor dem Rasenmähroboter erschreckte, der vor der Tür zum Apartment seinen Dienst verrichtete. Während den paar Schritten zur Leuchtturmtür wurde das Brummen des fleißigen Roboters immer leise, während das, welches aus dem Inneren des Turms drang, immer lauter wurde. Ich steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um und öffnete die Tür. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich erwartete dahinter zu sehen, aber irgendwie fühlte ich mich erleichtert, dass es nur ein Metallschild war, auf dem der „Direktor des Leuchtfeuerwesens“ erste und letzte Anweisungen gab.

Alles was man wissen muss…
Ein erster Vorgeschmack auf den Ausblick vom Lista Leuchtturm

137 Stufen sollten es sein, bis man im Kopf des Turms angelangt ist. 137 Stufen, die erst noch schön breit, dann immer schmaler wurden und gegen Ende in einer engen und steilen Wendeltreppe aus Metall endeten. Und dann war da wieder eine kleine Tür. Hinter der vermutlich die Balustrade des Leuchtturms liegen würde, eventuell aber auch eine tückische Wolkendecke, durch die man hindurch fällt wie der Koyote aus Looney Toons, sobald man sie betritt. Ich ließ es drauf ankommen. Öffnete die Tür. Und trat hinaus. Auf die Balustrade.

Lista Leuchtturm Norwegen
Hallo, Weite!

Der Wind pfiff mir um die Ohren und ergriff auf der Stelle mein vom Duschen noch feuchtes Haar, um es in wenigen Sekunden trocken zu pusten. Dabei trieb er aber auch ein altbekanntes Geräusch an meine Ohren, welches mich immer und überall auf der Welt auf einen Schlag beruhigt und mir ein Gefühl von Sicherheit gibt. Das Mähen von Schafen. Die waren nämlich zahlreich auf der weiten Ebene rund 30 Meter unter mir verteilt waren. Ich atmete tief den Geruch des Meeres ein – so tief es der starke Wind zuließ – und ließ mich langsam auf den Boden sinken. Unter mir gab es nur Schafe und Meer und ganz da hinten ein paar Berge.

Leuchtturmwärterin für eine Nacht im Glück

Ich weiß nicht mehr genau, wie lang ich so dort saß und aufs Meer schaute, aber irgendwann spürte ich den Nieselregen in meinem Gesicht und stand trotzdem nicht auf. Die Szenerie um mich herum und die ganze Situation hatte einfach etwas Magisches an sich. Genauso wie der Leuchtturm, der unerschütterlich und zutiefst verlässlich seine hellen Strahlen in Richtung Horizont entsendete, zu irgendjemandem, der sie sah oder auch nicht sah. Das war ihm tatsächlich ziemlich egal.

Übernachten im Leuchtturm in Südnorwegen

107 Leuchttürme gibt es in Norwegen, 21 davon an der Südküste des Landes. Und 9 davon kann man für Übernachtungen buchen! Eine Sache, die ich jedem Menschen dringend ans Herz legen möchte, der Südnorwegen besucht. Während Lindesnes und Lista, also „meine“ Leuchttürme, direkt mit dem Festland verbunden sind, gelangt man zu den anderen nur per Bootstransfer (teilweise gibt es hierfür einen organisierten Shuttleservice, teilweise kann man auch selbst vor Ort ein Boot ausleihen). Auch der Komfort ist je nach Leuchtturm unterschiedlich und reicht von der perfekt ausgestatteten Ferienwohnung bis hin zum Mehrbettzimmer ohne verfügbares Trinkwasser. Aber für welche Variante auch immer man sich entscheidet: Eine Übernachtung an einem Leuchtturm in Norwegen ist eine einmalige Erfahrung!

Hier kommt eine kurze Übersicht über die 9 Leuchttürme, bei denen Du an der Südküste Norwegens übernachten kannst. Mehr Infos, weiterführende Links usw. dazu findest Du hier auf der Webseite von Visit Southern Norway.

Da die Übernachtung an den Leuchtturmen ganz unterschiedlich verwaltet wird und die Informationen teilweise nur auf Norwegisch verfügbar sind, wende Dich im Zweifelsfall am besten einfach an den örtlichen Touristenverband, um alle Einzelheiten zu erfragen!

  • Grønningen: 30 Betten verteilt auf 8-9 Zimmer
  • Lista: zwei Apartments für jeweils bis zu 7 Personen; per Auto erreichbar
  • Store Torungen: Wachthaus mit 12 und Anbau mit 14 Schlafplätzen; per Boot erreichbar
  • Lyngør: 20 Schlafplätze; per Bootstaxi erreichbar
  • Saltholmen: Vermietung des Leuchtturmwärterhäuschens mit 7 bzw. 4 Schlafplätzen; per Boot erreichbar
  • Lindesnes: Apartment für bis zu 6 Personen; per Auto erreichbar
  • Ryvingen: 30 Betten verteilt auf 5 Räume; per Boot erreichbar
  • Homborsund: 20 Betten verteilt auf 4 Räume; per Boot erreichbar
  • Hatholmen: 20 Betten, per Boot erreichbar
Leuchtturm-Liebe!!!

Werbehinweis: Meine Reise nach Südnorwegen geschah in Zusammenarbeit mit Visit Southern Norway. Meine Meinung, die ich in diesem Artikel wiedergebe, wurde davon nicht beeinflusst. 


Hast Du auch schon mal in oder bei einem Leuchtturm übernachtet? Vielleicht ja sogar schon mal in Norwegen? Erzähl mir doch ein bisschen davon unten im Kommentarfeld!

6 Comments

  1. Wow, das sieht echt traumhaft aus! Eine witzige Idee Leuchttürme zu vermieten.
    Ich hab letztes Jahr in Schweden auf der Insel Landsort übernachtet – nicht im Leuchtturm, aber in einem ehemaligen (und von außen recht hässlichen) Militär-Aussichtsturm (von innen ein sehr stylisches Hotel) – mit Blick auf den hiesigen Leuchtturm. Das war auch Magic! 😉
    https://www.instagram.com/p/BHxdJpwACYS/

    • Fräulein Draußen Reply

      Das sieht ja auch mal mega aus!! Die Skandinavier wissen einfach, wie mans richtig macht… 😉

    • Fräulein Draußen Reply

      Die Preise sind gar nicht so schlimm! In der Hauptsaison kostet z.B. Lindesnes für eine Nacht rund 100,- Euro. Und das ist vermutlich der teuerste, wobei das für eine Ferienwohnung für bis zu 6 Personen auch nicht so wirklich viel ist… Und die spartanischeren Leuchtturmunterkünfte sind sicher noch günstiger!

  2. Stefanie Egger Reply

    Hallo Kathrin,
    super toller Bericht 🙂 Eine Freundin und ich sind auch im September in Norwegen unterwegs und würden gerne in einem Leuchtturm übernachten. Bekommt man zu zweit auch leicht einen Platz? Weil die meisten Leuchttürme haben ausschließlich große Appartements. Weißt du da was?

    • Fräulein Draußen Reply

      Hi Stefanie,

      danke dir! 🙂 Da weiß ich leider nichts genaueres zu und es ist sicher auch von Leuchtturm zu Leuchtturm sehr unterschiedlich. Ich denke ihr solltet auf jeden Fall vorher nachfragen und ggf. reservieren.

      Viele Grüße und viel Spaß!
      Kathrin

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